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Oliver Schwerdt/Barry Guy/Baby Sommer:
One For My Baby And One More For The Bass

(EUPH 077)

Oliver Schwerdt - grand piano, percussion, little instruments
Barry Guy - double bass
Baby Sommer - drums, cymbals, percussion

01 One For My Baby And One More For The Bass (24'54
)
02 On The Road Again (Ausflüge zum Interhotel) (17'30
)
03 The Last Song (Air) (5'19)

Was für ein Feuerwerk!
Maya Homburger

A colourful and vital interplay.
Our joy comes over loud and clear!!
Unusual to find two different mixes
– I have not come across this before in the same package.

Barry Guy

Nice!!!!!

Christian Lillinger

Schönes Layout, großartige Musik, feines Booklet.
Super gemacht!

Bert Noglik

air vibriert.
Sven-Ake Johansson

After finishing my contribution to the late work of Ernst-Ludwig Petrowsky by organizing some trios and the three great quartets called Tumult! Karwall! Rabatz! (2013-15) I was thinking of formulating a new chapter of my adventurous vast ensemble E U P H O R I U M _ f r e a k e s t r a. Considering the forthcoming cast soon I began to feel very happy. I just had discoverd that although sharing all main production spaces of the international improvised music scene for over forty years my ancient buddy Baby did never before share a concrete bandstand with Barry Guy! Familiar with the specific personal performances of both men it was obvious that we had missed indeed a dream team of that sort of drum’n’bass combined forces in Free Jazz music spheres so far. On a splendid 16th december iin 2016 my task became fullfilled. Besides their very first meeting at the edge of the electric organist Daniel Beilschmidt (listen to the opener of the 3-CD-Opus Grande Casino!) they also played a very nice piece within a trio featuring myself on the extended grand piano (Interflug/Intershop). Hence scheduled a whole concert set for the piano trio setting in the next year we had to deal with an adjournment. The original date had to be canceled because of health problems of Maya Homburger, Barry’s well-esteemed wife. One year late everything was fine – listen!
On my own accout I additionally want to note some facts why I am sounding like that: besides the experience of the full decade of interplay with Petrowsky and Christian Lillinger as well as the two duos I did with Baby in 2011 and 2017 (the latter instead of the planned trio with Barry) the grand piano parts presented here summarize three other turbo blowing ingredients of increased possibilities: 1st my intense solo studies in 2015 (Prestige/No Smoking and Storming Bauhaus), 2nd the preparation for and the performance of the trio/quintet concert with Peter Broetzmann in 2017 (Biturbo!, Karacho!) and, 3rd, the preparation for the trio/quintet concert with Akira Sakata in 2018 (once to be released as Siren, Sticks & Circus and Tornado!) which was scheduled directly the day after the music documented with the album you’re holding in your hands now! So on that evening Sakata had just arrived form Japan and had already taken seat in the auditorium as Maya was becoming very enthusiastic about the set growing. And directly in front of us Hans-Juergen Noack one of the main figures of the second generation of GDR jazz artists was sitting in the legendary first row of the naTo keen on experiencing our music for musicians. But take a chance by yourself to let it in. This fine documentation of our interplay will always be a pleasure.

Format: 2-CD
Price: 24,99 €
ISBN: 978-3-944301-51-8
Ordering: oliverschwerdt@euphorium.de

Digital download: https://schwerdt-guy-sommer.bandcamp.com/

 

Reviews:

OLIVER SCHWERDTs andere Connection, die zu BABY SOMMER, zündete hochlichterlich noch im gleichen Jahre im Konzert des E_f aka DRZK.wähuh° @ naTo/Leipzig, festgehalten als "Ðal Ngai" (EUPH 01). Nachdem er bei seiner Doktorarbeit über Sommer ein im Lebenswerk des Dresdner Trommlers noch fehlendes Gipfeltreffen mit BARRY GUY 2016 erstmals als Intermezzo des "Grande Casino"-Meetings im Dezember 2016 bewerkstelligt hatte, realisierte er im Dezember 2018 schließlich auch noch ein richtiges Triokonzert mit den beiden, mitgeschnitten als One For My Baby And One More For The Bass (EUPH 077, 2xCD) und präsentiert nun in zweierlei Abmischung. Womöglich genügte das Stichwort 'Bach', um Guy nach Leipzig zu locken, und Sommer begrüßte ihn entsprechend mit barock temperiertem Donner- und Paukenschlag, halb schneidiger kursächsischer Haudegen, halb Old Shatterhand, ganz Das donnernde Leben. Auch Schwerdt zwirbelt da die Tasten in der Flügelspannweite von rasant über mokant bis diskant, als Philosoph des Hammerklaviers, tausendfingriger Übermensch. Sommer gockelt und tockelt Kreise, lässt seine Zunge schnarren und Rauschgoldengel flattern, Triangel, Steelpan und Blechdeckel klingeln, dengeln, rappeln. Zu Mundharmonika wird im Innenklavier getanzt, Sommer rührt's Trommelchen für starke und für dumme Auguste, Schwerdt klompert poetisch mit Links und gnomt bis ans spitze Ende der Tastatur. Bringt Sommer volkstümliche Motive ins Rollen, springt er hämmernd und trillernd drauf an, als wuselndes Heinzelmännchen, als Jockey, der Sommers bockigstem Steckenpferd im Nacken sitzt, auch wenn da noch so großer Tröt-, Topfdeckel- und Maultrommel-Alarm herrscht auf dieser Punch & Judy-Bühne. Ob krawallig, hintersinnig oder besinnlich, mit allerlei Krebsbutter geschmiert und mit Grießklöschen gedopt, wirkt althergebrachte Phantasterei wie junges Gemüse. Sommer grieselt und wischelt, Schwerdt tremoliert in lichter Höh und rauscht runter ins Borgenthal. Und Guy? Alldieweil und immerdar Stupor mundi! Das sanglichste, prickelndste Pizzicato, das ich kenne, dazu Flageolett, das den Kontrabass schlangenmenschlich verbiegt, sowie ein Sägewerk von borkigem Stamm bis zu feinstem Laub. Sogar Maya Homburger hat's gefallen. Und die kennt ihren Barry und weiß, was gut ist.
BAD ALCHEMY, Rigobert Dittmann (Bad Alchemy Nr. 109, Januar 2016) (202101), S. 12.

Mit Spannung erwartete ich die Antwort auf meine Frage: Kann das in guter Erinnerung gebliebene Konzerterlebnis vom 9. 12. 2018 in der naTo auch auf Schallplatte bestehen? Ich hatte es geahnt. Das war nicht nur ein überzeugender VorOrtHochGenuss, sondern lässt sich auch noch eindrucksvoll auf dünnem Vinyl wiedergeben. So ist es nun gekommen. Trotz dünner Scheibe auf dem Player kommt räumliches Flair aus der Box. Da hatten anscheinend auch die Aufnahmetechniker die Regler richtig eingestellt. Der gute Sound wäre sonst im Endmix auch nicht möglich gewesen. Das erhärtet sich, wenn man dann erstaunt erfährt, dass die zwei CD von zwei verschieden Personen „gemixed und gemastert“ worden sind. Man erfährt aber nicht warum die CD1 keinen Hinweis auf dem Cover wert ist, die CD2 aber betitelte Tracks mit Zeitangabe hat. Was aber, wenn die Musiker am Aufnahmetag nicht gut „gestimmt“ sind? Ich konnte kein guter Hörer sein. Ich war tagelang, ja wochenlang in Sorge um mein Augenlicht und Seelenheil. Dieses Trio ist aber am Abend des 9. Dezember so konzentriert bei der Sache, in der Interaktion so überzeugend, dass der Hörer keine Chance hat zu entfliehen. Der Zuhörer hört, dass die Musiker (sich) zuhören, ja sich belauschen und kann nicht anders als gespannt sein, was da noch kommt. Und er wird belohnt, nach jeder Biegung ein neuer Weg, nach Ampelrot startet bei Grün das Trio mit aktiver Fahrt neuen Ufern zu. Die anfänglich hüpfenden Töne, die von den Klaviersaiten kommen, sind mir vertraut. Doch wenn nun in dieser Besetzung statt Lillinger am Schlagwerk Baby Sommer begleitend mithüpft oder gleitet, ist alles anders. Und trotz eines freudigen Ritts, gönnt man sich und dem Hörer bereits nach 2:10 Minuten eine kreative Pause. Das wiederholt sich im ersten Titel auf der CD2 an gleicher Stelle. Das ist in Anbetracht dessen, dass viele Musiker nicht mehr in der Lage sind, Werke anderer Musiker bis zum Ende anzuhören, selbst aber die Zuhörerschaft mit nichtendenden Kaskaden überfordern, fast schon revolutionär. Hier gibt es große und kleine Spannungsbögen mit steilen Spitzen und weitem Grund. Eine atemberaubende Landschaft. Neue Motive kriechen aus Ruhefeldern. Im Fluss liegen kantige Steine, die führen zu aufgeregtem Gezupfe, ungestümem Gerappel und gipfelerklimmendem Getöse. Kein gelangweiltes Ohr in der Nähe. Die Folgen sind ungekünstelt, weil die Ideen nicht von begrenzter Vituosität ausgebremst werden. Die individuell einstudierten Phrasen haben kein eigenständiges Übergewicht, weil kleine Mosaiksteine und keine großen Betonklötze verbaut werden. Auch vom Pianisten vernehme ich neue Töne, feinere Glissandi und kleinteiligere Phrasen als bisher bekannt. Hat er zeitverbrauchend im Kämmerchen auf dem Stuhl sitzend die Bedienung der Tasten perfektioniert? Die Bauhaussoli sind nicht schlecht, aber hier wird doch etwas mehr an interessanterem Material aufgeworfen. Was hier (beispielhaft in den ersten 3 Minuten des 1. Titels der CD 2) zusammengetastet, zusammengezupft und zusammengeklopft wird, ergibt ein Ganzes, ein Haus. Mein Sohn gehört zu den Architekten. Wenn er nach dem Mundharmonikablues, der Sehnsucht aus den Karpatentälern heraufweht, dann in der 19:48 Minute einen stählernen Impuls gibt, warten anscheinend Barry und Baby auf dessen Weiterverarbeitung. Es ist aber reine frei improvisierte Musik. Die Passagen sind trotzdem nur selten austauschbar oder gar belanglos. Die ganze CD hat Charakter, weil jeder Titel prägnante Motive hat. Es bleibt eine unverwechselbare CD. Ein Vater, der dem Sohn nur gratulieren kann.
Hans-Hermann Schwerdt